Leonardowerkstatt

178 Dialectic

DIALECTIC und die sokratische Methode Wir alle haben Meinungen. Wir alle streiten manchmal. Wenn im antiken Griechenland zwei oder mehr Philosophen mit begründeten Argumenten versuchten, zur Wahrheit von etwas zu gelangen, worüber sie nicht einverstanden waren, sagte man ihnen, sie seien mit Dialektik beschäftigt (von gr. dialegein, um sich zu unterhalten oder zu streiten). Es gibt viele Möglichkeiten, einen Streit zu gewinnen. Die griechischen Sophisten des . Sokrates [470-399 v. Chr.] argumentierte jedoch, dass die Wahrheit am wichtigsten sei und dass dies am besten durch Vernunft und Logik in der Diskussion enthüllt werden könne. Um die Wahrheit herauszufinden, verwendete Sokrates eine Methode, die eine Reihe von Schritten umfasste: 1. Agatha behauptet eine THESE: „Gerechtigkeit sollte alle gleich behandeln.“ 2. Sokrates bringt Agatha dazu, WEITERE VORAUSSETZUNGEN zuzustimmen: „Sicher würdest du zustimmen, dass jemand, der verrückt ist, nicht für seine Taten verantwortlich ist?“ 3. Sokrates zeigt, wie diese neuen Prämissen das Gegenteil der ursprünglichen These implizieren: „Gerechtigkeit sollte also nicht alle gleich behandeln.“ 4. Eine neue, verfeinerte THESE wird nun vorgebracht. Diese Technik wurde von Platon, Aristoteles und Philosophen des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts entwickelt. Heute nimmt es üblicherweise die Form an: 1. These: Ich sage! Findest du nicht … Sheila ist wunderbar. 2. ANTITHESE: Im Gegenteil! Ich bin anderer Meinung … Sie hat Bill schrecklich verletzt. 3. SYNTHESE: Versuchen wir es noch einmal! … Ja, Sheila ist kompliziert. 178 LOGIK